Trauer

Die vier Phasen der Trauer

Mal kommt er schleichend, dann ganz plötzlich. Er gehört zum Leben dazu und doch ist er oft ein Tabu-Thema: Kaum jemand mag über den Tod sprechen. Dabei muss jeder einmal Abschied nehmen. Wir erklären dir hier, wie die vier Phasen der Trauer verlaufen.

Trauer Phasen
Wie lange die Trauer dauert, ist ganz unterschiedlich, auch die Dauer der einzelnen Phasen hängt von jedem persönlich ab. Foto: AntonioGuillem/iStock

Warum ist Trauer wichtig?

Jahr für Jahr sterben mehr als 900 000 Menschen in Deutschland. Der Tod kommt ungefragt und raubt einen geliebten Menschen: die Mutter, den Vater, Geschwister, das Kind oder den Partner. Es ist der Tag, der das Leben für viele teilt – in ein Davor und ein Danach. In Erinnerungen und einen Alltag, der nur noch von Trauer beherrscht wird.

Doch immer häufiger kommen Menschen mit ihrer Wut und Verzweiflung nicht mehr klar. Eine Ursache sind neue Trauerprozesse. So wird zum Beispiel bei Beerdigungen der Sarg nicht mehr vor den Augen der Hinterbliebenen in die Erde gesenkt. Damit werde versucht, „aus falsch verstandener Humanität“ die Wirklichkeit zu verschleiern. Aber Trauer ist nicht möglich, wenn wir versuchen, dem Schmerz auszuweichen.

Du hast einen Verlust erlitten und brauchst einfach ein offens Ohr, mit dem du über deine Trauer sprechen kannst? Dann melde dich jetzt bei den professionellen Coaches von Aurea.

Die Trauerphasen nach Verena Kast

Das folgende Modell der Trauerphasen wurde von der Schweizer Psychologin Verena Kast entwickelt. Es gilt als Grundlage, um Trauernde in ihrem Trauerprozess besser zu verstehen.

Wie bei jedem Prozess gibt es einen klaren Anfang und ein klares Ende. Der Beginn zeichnet sich durch den Verlust des geliebten Menschen aus. Wie dieser im Einzelfall genau aussieht, ist oft entscheidend für den weiteren Verlauf der Trauer. War der Tod zum Beispiel schon länger abzusehen, weil eine lange Krankheit der Auslöser war oder handelt es sich um einen tragischen Unfall.

Das Ende des Trauerprozesses zeichnet sich durch eine Neuorientierung des gesamten Lebens aus. Wie lange die Trauer dauert, ist von Mensch zu Mensch komplett unterschiedlich. Jeder braucht seine eigene Zeit, um über den Verlust des geliebten Menschen hinweg zu kommen. Wie lang der Trauerprozess dauert und wie genau er sich abspielt, hängt sowohl von der Persönlichkeit des Trauernden, von den Umständen des Todes und der Beziehung zum Verstorbenen bestimmt.

Die vier Phasen der Trauer

Wer einen geliebten Menschen verliert, muss nicht auch die Hoffnung aufgeben. Abschied nehmen ist nie einfach – aber es gibt Wege, damit es leichter werden kann. Dazu gehört auch, sich von der verstorbenen Person zu verabschieden und sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Und Trauer sollte nicht vorschnell weggedrängt werden. Es gibt nach dem Verlust keine emotionale Abkürzung, jeder muss durch die vier Phasen der Trauer gehen:

Du willst die vier Phasen der Trauer nicht allein durchstehen? Dann lass dich dabei von den qualifizierten Coaches von Aurea unterstützen.

Nicht-Wahrhaben-Wollen

Der Tod eines Menschen schockiert immer, selbst wenn er nicht unerwartet eintritt. In dieser Phase herrschen vor allem Verzweiflung, Hilf- und Ratlosigkeit vor. Die Betroffenen sind noch nicht in der Lage, das Geschehene wahrhaben zu wollen und leugnen die Situation. Viele Menschen sind in dieser Trauerphase wie erstarrt und wirken völlig apathisch. Andere wiederum geraten vollkommen außer Kontrolle und Brechen unter ihren Emotionen zusammen.

Körperliche Reaktionen, die in dieser Phase auftreten können, sind: rascher Pulsschlag, Schwitzen, Übelkeit und motorische Unruhe.

Die Dauer dieser Trauerphase kann wenige Stunden bis mehrere Wochen betragen.

Wie du Betroffene in diesem Trauerprozess unterstützen kannst: 

  • erledige alltägliche Besorgungen

  • steh ihnen zur Seite

  • Sei da, ohne viel zu fragen

  • Unterstütze den Trauernden bei Regelungen, die mit dem Trauerfall zu tun haben

  • Bevormunde den Trauernden nicht – alle Gefühle und Reaktionen dürfen da sein

Aufbrechende Emotionen

In diesem Teil des Trauerprozesses kommen Gefühle wie Schmerz, Wut, Zorn, Freude, Traurigkeit und Angst zum Vorschein. Welche Emotionen dabei zum Ausdruck kommen, hängt von der jeweiligen Persönlichkeit des Trauernden ab. Man möchte seinen Schmerz einfach nur in die Welt hinaus schreien. Und das solle man im wahrsten Sinne des Wortes auch tun, denn unterdrückte Emotionen können auf Dauer zu Depressionen führen. Nicht selten werden in dieser Phase Vorwürfe gegen den Toten gerichtet: „Wie konntest du mich nur im Stich lassen?“ Oder: „Was soll denn nun aus mir werden?“ Aber der Trauernde richtet seine Wut und Aggression auch gegen sich selbst: „Warum habe ich nicht mehr getan?“ Oder: „Warum habe ich die Zeit nicht besser genutzt?“ Nicht selten entstehen aus diesen Gedanken Schuldgefühle. Diese Trauerphase kann zwischen ein paar Wochen bis zu mehreren Monaten dauern.

Wie du Betroffene in diesem Trauerprozess unterstützen kannst:

  • Starke Gefühlsausbrüche dürfen sein – lenk den Betroffenen nicht davon ab, sondern unterstütz ihn bei seinen Emotionen

  • Probleme dürfen ausgesprochen werden

  • Schuldgefühle zur Kenntnis nehmen, aber nicht bewerten

  • Gib Anregungen für den Alltag, zum Beispiel auf einen Spaziergang gehen, Musik hören oder Tagebuch schreiben

Suchen, finden, sich trennen

In dieser Trauerphase wird der Verlorene unbewusst oder bewusst „gesucht“ – in Zimmern, Landschaften, auf Fotos, aber auch in Träumen oder Fantasien. Zum Teil werden auch Gewohnheiten des Verstorbenen übernommen. Durch diese intensive Auseinandersetzung mit dem geliebten Menschen entsteht beim Trauernden oft ein starkes Gefühl der Begegnung. Dies kann zum einen die Trauer erleichtern, da es sich schön und gewohnt anfühlt – gleichzeitig kann es aber auch sehr schmerzhaft sein, denn die Erkenntnis, dass der Verstorbene nicht wiederkommt, trifft den Betroffenen dann oft sehr hart. Diese Phase ist sehr wichtig, denn im Verlaufe dieses Suchens, Findens und Wieder-Trennens kommt der Augenblick, wo der Trauernde die Entscheidung trifft, wieder ja zum Leben oder aber in der Trauer zu bleiben. In dieser Trauerphase kann es immer wieder zu suizidale Gedanken kommen. Dieser Abschnitt kann Wochen, Monate oder Jahre dauern.

Wie du Betroffene in diesem Trauerprozess unterstützen kannst:

  • Alle Erlebnisse aus der Vergangenheit dürfen ohne Wertung ausgesprochen werden

  • Hab immer ein offenes Ohr – auch wenn du die Geschichten schon kennst

  • Zeit lassen

  • Suizidale Äußerungen beobachten und im Notfall einen Arzt oder Psychotherapeut zu Rate ziehen

  • Sollten Äußerungen zu Plänen für das weitere Leben aufkommen, den Betroffenen darin unterstützen

Neuer Selbst- & Weltbezug

Nachdem man seinen Schmerz herausschreien, anklagen und Vorwürfe machen durfte, kehrt allmählich Frieden in die Seele zurück. Der Tote hat dort seinen Platz gefunden. Langsam erkennt der Trauernde, dass das Leben weitergeht und das er selbst dafür verantwortlich ist. In dieser Phase werden neue Pläne für die Zukunft geschmiedet. Dieser ganze Trauerprozess hat Spuren beim Betroffenen hinterlassen. Der Verlust eines geliebten Menschen ist immer ein einschneidendes Erlebnis und kann das Leben verändern. Wichtig: Der Verstorbene lebt in Erinnerungen und im Herzen weiter und wird so nie vergessen.

Wie du Betroffene in diesem Trauerprozess unterstützen kannst:

  • Der Begleiter kann den Begleitenden jetzt loslassen

  • Trotzdem sensibel bleiben für Rückfälle

  • Der neue Lebensabschnitt wird akzeptiert

  • Gemeinsam einen Weg finden die Trauerbegleitung zu beenden

Wir zeigen dir deinen Weg ins Glück! Finde zusammen mit den Coaches von Aurea zurück in ein Leben voller Lachen und Freude.