Die Geheimnisse der Wikinger

Runen

Unter Futhark versteht man das Alphabet der Runen. Das älteste bekannte umfasst 24 Zeichen und ist seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. überliefert. Spätere Futharks besitzen oft weniger Zeichen und stammen zumeist aus der Wikingerzeit, also dem Mittelalter. Jeder Rune ist daher auch ein Laut zugeordnet und besitzt einen Namen, der mit diesem Laut beginnt.

Woher die Runen kamen, wer sie gar erfunden hat, ist bis heute mehr oder minder ein Rätsel. Es gibt Theorien, nach denen die Runen sich von der lateinischen oder sogar etruskischen Schrift abgeleitet haben. Doch am Ende bleibt es ein Geheimnis. Vor allem in den Gegenden Südskandinaviens waren sie weit verbreitet.

Sie wurden jedoch nicht zum alltäglichen Gebrauch eingesetzt, sondern in erster Linie für Inschriften zum Beispiel auf Weihesteinen oder Münzen. Der Schlüssel zur spirituellen Bedeutung einer Rune ist ihr Name. Diese Namen sind von einer Reihe natürlicher Erscheinungen abgeleitet wie Wasser, Bäume, Tiere, Gestirne, aber auch Begriffe des menschlichen Lebens wie Heimat, Gabe, Gott, Freude.

So spiegeln die Runen viele Facetten des Lebens wieder. Hinter diesen Zuordnungen werden die Geheimnisse sichtbar, die mit jeder Rune verbunden sind. Das Wort „Rune“ scheint aus einem urgermanischen Wort für Geheimnis zu rühren, das sich beispielsweise in unserem Wort „raunen“ erhalten hat. Dies verweist auf die magische Wirkung, die mit den Runen wohl von Anfang an verbunden wurde.

Runen besitzen eine schlichte und zumeist eher kantige Gestalt. Das liegt daran, dass sie ursprünglich auf Materialien wie Holz geritzt wurden. in dieser Einfachheit liegt aber auch eine große Klarheit. Im Gegensatz zu anderen Systemen wie Astrologie und Tarot, sind Runen einfach, fast schon einsilbig.

Der klare Gedanke, der ihnen entspringt, unterstützt uns dabei, aus dem Wust des Alltäglichen einen Weg zu finden, das Notwendige vom Möglichen zu trennen. Die Runen sagen: „Da geht es lang!“ Dabei üben sie jedoch nie einen Zwang aus, sondern zeigen uns lediglich die Richtung, in die wir uns bewegen sollten, damit wir das, was uns am Herzen liegt, auch wirklich erreichen können. Bei aller Ernsthaftigkeit tun sie dies stets mit einem Augenzwinkern. Sie befehlen uns nicht, sondern appellieren an unser inneres Wissen. Sie zeigen, dass wir die Antwort schon längst in uns tragen. Wir konnten sie vielleicht nur nicht sehen, weil wir uns im Dickicht der Möglichkeiten verloren haben.

Warum also Runen? Runen vereinfachen, indem sie Möglichkeiten reduzieren. Darin liegt ihre besondere Gabe. Zugleich fehlt es ihnen nicht an Tiefe. Sie laden uns immer ein, noch genauer hinzuschauen und uns mit den Hintergründen unserer Lebenslage auseinanderzusetzen. Man kann zum Beispiel einfach eine Rune ziehen, wenn sich eine Fragestellung im Leben auftut. Die Antwort der Rune wird immer klar und eindeutig sein.

Vielleicht müssen wir manchmal einen Augenblick darüber nachdenken. Bei der Deutung helfen dir auch die Expert:innen von Aurea und die Beiträge, die du hier auf der Seite findest. Wir können auch Folgerunen ziehen, um eine einmal gezogene Rune in ihrer Bedeutung näher zu beschreiben.

Woraus können Runen gemacht sein? Heutzutage kann man fertige Runen käuflich erwerben. Es gibt sie aus Holz, aus Ton, aus Steinen. Auch wenn das Material Geschmacksache ist, sind Runen aus einem natürlichen Material zu bevorzugen. Zumeist werden sie in einem Beutel aufbewahrt, aus dem man dann auch die Runen ziehen kann.

Aber man kann sich auch selbst Runen herstellen. Dazu braucht es gar kein handwerkliches Geschick. Man sammelt 24 etwa gleich große, flache Steine, oder besorgt sich schöne Astscheiben. Dann malt man die Runen auf die Steine oder Scheiben und legt sie in einen eigenen Beutel. Du kannst am Anfang einfach jeden Tag eine Rune ziehen und sich inspirieren lassen, was ihre Botschaft ist. Oder du ziehst eine Rune, wenn sich eine bestimmte Fragestellung ergibt, für die du dir einen Impuls wünschen. Frag du am besten: „Liebe Runen! Welche Botschaft habt ihr für mich in dieser Angelegenheit? Wie sollte ich mich am besten verhalten? Welche Kraft kann mich jetzt unterstützen? Was ist konkret als nächstes dran?“

(Dieser Text erschien ursprünglich in Astrowoche am 19. Januar 2022)