Freundschaft & Beziehung

Ich fühle mich einsam – was kann ich tun?

Um Menschen zu helfen, die sich einsam fühlen, haben wir das Thema einmal aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet: Was ist Einsamkeit, und was unterscheidet sie vom Alleinsein? Was kannst du tun, um nicht mehr einsam zu sein? Und wie gehst du mit Einsamkeit am besten um?

Eine Frau am Fenster fühlt sich einsam
Sich einsam zu fühlen geht nicht immer einher mit Alleinsein. Foto: iStock/nadia_bormotova

Warum fühle ich mich einsam?

Einsam fühlen sich Menschen beispielsweise, wenn Ihnen bedeutungsvolle Verbindungen zu anderen Menschen fehlen und sie sich schwertun, neue und tiefgehende Kontakte zu knüpfen. Menschen sind soziale Wesen und brauchen andere Menschen, um sich gesehen und aufgehoben zu fühlen. Doch auch eigene innere Konflikte und psychische Probleme können dazu führen, dass du dich einsam fühlst. Für das Gefühl der Einsamkeit ist es oft sogar egal, ob du dich gerade in einer großen Menschenmenge befindest oder alleine in deiner Wohnung bist – auch unter vielen Menschen ist es möglich, dass du zu keinem dieser Menschen eine Verbindung hast und dich deshalb in der Situation trotzdem einsam und leer fühlst.

Einsamkeit vs. Alleinsein

Nicht jeder, der alleine ist, ist deswegen unbedingt auch gleich einsam. Alleine zu sein, kann auch ein selbst gewählter Zustand sein – ein Zustand, der sogar der Erholung dienen kann und Raum für Entfaltung gibt. Dauerhaftes Alleinsein als Zustand sozialer Isolation ist allerdings tatsächlich ein sehr negativ wahrgenommener Zustand und kann auch zu einer chronischen Einsamkeit auswachsen. Im Gegensatz zum Alleinsein ist die Einsamkeit so gut wie nie selbst gewählt. Es handelt sich um ein emotionales Defizit – ein Bedürfnis nach sozialer Verbundenheit, das in einem spürbaren Maße untererfüllt bleibt.

Einsam trotz Partner

Auch Menschen, die in einer Beziehung leben, können sich einsam fühlen. Es kommt vor, dass die Partner über lange Zeit räumlich getrennt sind oder sich aus zeitlichen Gründen nicht so häufig sehen können, wie sie es gerne würden. Die emotionale Bindung der Partner kann auch geschwächt sein oder einer von beiden hat mit seiner eigenen Psyche oder seinem eigenen Leben gerade zu kämpfen und sieht den anderen nicht mehr wirklich. Dann kommt es schnell zu einem Gefühl, sich ungeliebt zu fühlen – obwohl das gar nicht stimmen muss. Solche Hindernisse lassen sich beispielsweise in einer Paartherapie gut überwinden. Ist die Distanz in der Partnerschaft aber schon zu groß, ist das eine neue Chance für dich, mit jemand anderem ein neues Glück zu finden.

Einsam trotz Familie

Eine Familie ist ebenfalls nicht immer eine Garantie dafür, sich nicht einsam zu fühlen. Auch hier kann eine räumliche Trennung bestehen, etwa durch einen Umzug oder das Studium der Kinder. Das Verhältnis zu den Familienmitgliedern kann ebenfalls gerade schwierig sein – manchmal sind darunter auch Personen, die dir nicht guttun. Im Gegensatz zum Partner kannst du dir deine Familie nicht aussuchen – sie kann dir eine Stütze sein und dir bei Einsamkeit helfen, doch du solltest Abstand nehmen, wenn dir der Umgang eher schadet.

10 Tipps zum Freunde finden

  • Tipp 1: Begib dich in ein Umfeld, das zu dir passt: Unter Menschen, die ähnliche Interessen haben wie du, wird es dir leichter fallen, Freundschaften zu knüpfen. Dazu kann sich sogar der Arbeitsplatz anbieten, aber auch ein Internet-Forum oder eine Facebook-Gruppe eignet sich gut dafür.

  • Tipp 2: Greife ein altes Hobby wieder auf: Wenn dir zuletzt die Zeit für deine Lieblings-Sportart oder künstlerische Betätigung fehlte, dann ist es vielleicht eine gute Idee, diese Leidenschaft wieder aufleben zu lassen.

  • Tipp 3: Probiere neue Aktivitäten aus: Gibt es vielleicht eine Sportart oder ein anderes Hobby, das du schon immer mal ausprobieren wolltest? Das könnte eine tolle Gelegenheit sein, um neue Leute kennenzulernen.

  • Tipp 4: Engagiere dich für etwas, das dir am Herzen liegt – sei es in einer politischen Partei, in einem Verein oder in einer Gemeinnützigen Organisation.

  • Tipp 5: Sei authentisch: Steh zu dir und sei ganz du selbst. Das bedeutet jedoch nicht, dass Du dich nicht auf dein Gegenüber einstellen kannst.

  • Tipp 6: Sei ehrlich: Nervosität und Unsicherheit können dazu verleiten, sich anders darzustellen, als man tatsächlich ist – doch wenn du Deinem Gegenüber Lügen erzählst, wird das bei längerem Kontakt irgendwann auffallen.

  • Tipp 7: Lerne viele neue Leute kennen: So erhöhst du die Chance, dass jemand dabei ist, mit dem du tatsächlich auf einer Wellenlänge bist. Auf der Suche hörst und erlebst du außerdem viele spannende Geschichten.

  • Tipp 8: Löse dich von toxischen Beziehungen: Egal ob es sich um den Partner oder um Freunde handelt – wenn es jemand nicht gut mit dir meint und dich von Deinem Umfeld isoliert, solltest du dich von dieser Person unbedingt distanzieren.

  • Tipp 9: Sei zuverlässig und engagiert: Wenn du nur von dir erzählst, den Kontakt über Wochen einschlafen lässt oder zu Verabredungen nicht erscheinst, ohne abzusagen, dann wird aus einem neu geknüpften Kontakt auf Dauer keine Freundschaft.

  • Tipp 10: Zeige Interesse an deinem Gegenüber: Höre zu und stelle Rückfragen, wenn dir jemand etwas erzählt.

Soziale Netzwerke: Fluch oder Segen?

Soziale Netzwerke können bei Einsamkeit eine große Hilfe sein – sie können deine Situation allerdings auch weiter verschlechtern. Einerseits sind soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und Twitter ein toller Weg, um den Kontakt mit Freunden aufrechtzuerhalten. Solche Kanäle können besonders sozial ängstlichen Personen eine sehr niederschwellige Möglichkeit eröffnen, mit Freunden zu kommunizieren und so der Einsamkeit zu entgehen. Dasselbe gilt, wenn zeitliche oder räumliche Faktoren echter Qualitätszeit mit den Freunden im Weg stehen. Noch dazu sind soziale Netzwerke ein sehr guter Ort, um Gleichgesinnte kennenzulernen – sowohl in der Nähe des eigenen Wohnorts als auch unabhängig davon.

Die Schattenseite der sozialen Netzwerke jedoch ist der Vergleich. Jeder präsentiert dort auf seinem Profil natürlich nur die guten Seiten, die schönsten Momente seines Lebens. Wenn du dir nun also in den sozialen Medien die besten Augenblicke der Leben deiner Mitmenschen ansiehst, kann das dein Gefühl von Einsamkeit noch verstärken. Du entwickelst vielleicht Neid oder stellst durch diese stark kuratierten Einblicke deine eigene Lebensgestaltung infrage. Wenn du also denkst „Ich fühle mich einsam“ – dann solltest du deine Aktivität in den sozialen Netzwerken für diesen Zeitraum gegebenenfalls dosieren.

Alleinsein genießen

Freundschaften aufzubauen und zu pflegen ist eine gute Maßnahme, um sich nicht einsam zu fühlen – doch es ist kein vollständiger Schutz vor Einsamkeit. Auch aus dir selbst heraus solltest du etwas dafür tun, damit du dich nicht einsam fühlst, wenn du mal alleine bist. Eventuell brauchst du dafür eine Therapie, und der Weg ist bestimmt nicht immer leicht – doch es ist möglich. Wenn du keine Therapie machen möchtest, reichen auch kleinere Maßnahmen, um das Alleinsein langfristig mehr genießen zu können: Halt dich an den Plänen fest, die du für zukünftige Treffen mit deinen Freunden hast. Erinnere dich daran, wie vielen Menschen du wichtig bist. Nutze die Zeit alleine vielleicht, um in Ruhe einen Film zu gucken, dein Lieblingsessen zu kochen oder ein entspannendes Bad zu nehmen.

Erste Hilfe bei Einsamkeit

Wenn du dich akut einsam fühlst, kannst du einige Schritte unternehmen, um dieses Gefühl zu lindern: Beispielsweise kannst du mit jemandem aus der Familie oder dem Freundeskreis in Kontakt treten, der dir guttut. Wenn gerade niemand Zeit für dich hat, mach Pläne mit deinen Freunden – auch ein in der Zukunft liegender Termin kann dir helfen, das Gefühl der Einsamkeit zu mildern. Je nach Verfassung kann es Balsam für deine Seele sein, dich an schöne Erlebnisse der jüngeren Vergangenheit zu erinnern. Ein weiterer Tipp: Nutze die Zeit, um etwas zu tun, das du am besten alleine machen kannst. Das kann sowohl etwas Produktives sein als auch etwas, das dir Freude bereitet. Sollte positives Denken und Selbstfürsorge nicht ausreichen, kontaktiere einen Therapeuten oder Berater, damit dein Zustand sich nicht weiter verschlechtert – suche dir Hilfe und komme ins Gespräch über deine momentane Verfassung!